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Frankfurt, 8. Juni 2018
Jahrhunderthalle

Ein Bericht von Hans-Georg Krumm

Niedecken und BAP erfinden sich gerade live neu

Das Konzert in Frankfurt war das erste Mal, dass ich BAP auf ihrer 2018er Tour sehen und hören konnte. Eine weitere Premiere für mich: die Jahrhunderthalle, die ich spontan zu meiner neuen Lieblingskonzertlocation erklärte: sensationelle Architektur, großzügig geplant und keine Mehrzweckhalle sondern ganz klar für Konzerte konzipiert.

Während ich dem von Niedecken zusammengestellten Musikprogramm zum Einlass lauschte (alle Songs haben irgendwie einen Bezug zu den US Südstaaten) hatte ich schon mal die Zeit, das Bühnenbild zu begutachten: eine rote Treppe führte auf ein großes Tor zu, links und rechts vom Tor gab es einen Balkon mit typischen New Orleans Geländer. Wie bei der Tour vor 2 Jahren hatte man sich also wieder wirklich Mühe gegeben, den Fans auch optisch etwas zu bieten.

Los ging es pünktlich um 20:00 Uhr: BAP plus Verstärkung betraten die Bühne und legten mit "Drei Wünsch frei", "Waschsalon" und "Psycho Rodeo" los und zeigten, in welche Richtung es im weiteren Verlauf gehen würde. Bei der Verstärkung handelte es sich um die Bläsersektion des Tauschkonzerts, also Axel Müller, Christoph Moschberger und Johannes Goltz - das bot natürlich einiges an Möglichkeiten: zum einen konnten Songs, die auf den Alben schon mit Bläsern aufgenommen waren, life endlich authentisch gespielt worden, wie zum Beispiel bei "Drei Wünsch frei", das zwar auch auf der letzten Tour gespielt wurde, die Bläser damals aber durch Keyboards imitiert wurden, zum anderen konnte schon fast totgespielten Songs, wie "Waschsalon" neues Leben eingehaucht werden. Wie Niedecken im Laufe des Konzerts bemerkte, waren diese 3 Songs auch diejenigen, die er als erste für eine Setliste für BAP plus Bläsersektion festlegte.

Frischer, neuer Sound also, der gleich von Anfang überzeugte, und noch eine, wenn auch unfreiwillige Neuigkeit gab es zu vermelden: da Bassist Werner Kopal "Rücken" hatte, wurde er durch Marius Goldhammer ersetzt. Mit dieser Besetzung ging es also durch über 40 Jahre Band Geschichte mit Ausflügen zu Niedeckens aktuellem Soloalbum, visuell hervorragend unterstützt durch Projektionen die dafür sorgten, dass erwähntes Tor mal als Eingang zum Lebensmittelgeschäft von Niedeckens Eltern, mal als Eingang eines "Vom Winde verweht"-Südstaaten-Anwesens wurde oder einen zum Times Square nach NYC, nach New Orleans und wieder zurück beamte.

Der Sound war hervorragend, sodass man trotz der der vielen Musiker auf der Bühne die einzelnen Instrumente meist klar hören konnte, auch wenn es hier und da Ulrich Rodes Gitarre es etwas schwer hatte, sich "gegen" die Bläser durchzusetzen. Anne de Wolf spielte an diesem Abend wie so oft gefühlt 20 verschiedene Instrumenet vom Waschbrett über Cello, Gitarre und Posaune, blieb aber gegenüber früheren Tourneen etwas im Hintergrund. Sönke Reich an den Drums setzte starke Akzente ohne dass es in ein 70er Jahre Schlagzeugsolo ausuferte, Marius Goldhammer machte seine Sache hervorragend, wie auch "Honigöhrchen" Michael Nass, der allerdings nicht nur optisch sondern auch soundtechnisch diesmal etwas hinter der Bläsersektion untertauchte.

Fast ohne längere Ansagen folgte also Song auf Song, zum Durchschnaufen gab es wieder einen "Liebeslieder im Sitzen" Block und es dauerte weit über 2 Stunden, bis die Band zum ersten Mal die Bühne verließ, um für 2 Zugabenblöcke wieder zu kommen. Meine Highlights an diesem Abend: "Psycho Rodeo" (ich liebe diesen Song), "Bahnhofskino" und "Vision von Europa".

Fazit: Sehr schönes Konzert, das über 3 Stunden dauerte, grandiose Stimmung im Publikum, super Sound und prima visuelle Umsetzung des Ganzen. Durch die Bläsersektion haben sich BAP an vielen Stellen live neu erfunden - ein Experiment, was gut geklappt hat.Nur an einer Stelle hielt der Spannungsbogen nicht so richtig: der "Jebootsdaachspogo" wirkte trotz neuem Arrangement wie ein Fremdkörper.

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