BAP-Logo-Fan-Tourtagebuch

Wuppertal, 21. März 2009
Uni Halle

Ein Bericht von Claudio

BAP endlich wieder in Wuppertal, quaasi vor der eigenen Haustür. Die Vorfreude war dementsprechend riesig. Allerdings war ich sehr gespannt, wie voll die Halle würde. Ansich sollte sie randvoll sein, da es - neben Krefeld, das einzige Konzert der zweiten Hälfte im Dunstkreis vom Dom ist. In dieser Sache wurde ich doch maßlos enttäuscht. Der Oberrang wurde erst gar nicht geöffnet und so waren es mit Goodwill vielleicht 3.000 Fans - aber eher weniger als mehr.

Es ist jedoch schon ein recht eigenartiges - schönes - Gefühl, wenn man rund um der Halle "jeden Stein" kennt, als in der KölnArena beim Weihnachts-Bratensaucen-Verdauungs-Gig.

Ich war auch sehr darauf gespannt, welche Änderungen im Programm vorgenommen wurden. Das Bühnenbild war jedenfalls gleich (gut).

Der Opener mit Pandora war schon mal der erste "Neuling", wobei ich den Song an anderer STelle passender fände. Der Sound war gut, wobei mir Helmut an eingen Stellen etwas laut erschien. Die nächste Änderung war gleich mein persönliches Highlight. Die Sichel vum Mohnd steht, mal in der Bundesliga-Fachsprache ausgedrückt, bei mir auf einem Champions-League-Platz meiner Lieblingssongs. Damit war der Gig ansich für mich schon gelaufen. Einfach nur genial. Auch die anderen "neuen" Songs waren sehr überraschend. Ruut-wieß-blau ist nun auch schon 10 Jahre her, dass man es live hören durfte und Prädestiniert anstelle von Kron oder Turban war auch gut (obwohl ich den Song sehr mag). Aber bei einem so riesigen Repertoire bleibt halt mal das ein oder andere auf der Strecke - vielleicht ja beim ncäshten Mal.

Die Jungs selbst - und Anne - waren in Topform und das Publikum hinter mir war wohl auch bester Mitsing- und Klatsch-Launen, soweit ich das hinter mir beurteilen konnte und auf dem USB-Stick hören kann.

Alles in allem ein geiler Gig, mit der Hoffnung, dass nach der Vorspeise KölnArena und dem Hauptgang Unihalle, vielleicht noch ein Nachtisch in der nähreren Umgebung zu sehen ist.

Ich hoffe jedenfalls, dass dies nicht der letzte Gig in der Unihalle war - auch wenn jemand hier mal bei einem anderen Gig in Wuppertal verlauten lies, dass wir Wuppis Sturköppe wären und sich ein Konzert in Wuppertal mangels Stimmung nicht lohnen würde. Das Gegenteil ist der Fall! Und BAP fühlt sich auch im Tal pudelwohl und waren (hoffentlich) nicht das letze Mal in der Unihalle - oder auf der Hardt.
 

Ein Bericht von Patrick V.

Habe mich spontan entschlossen in die Stadt mit der Schwebebahn zu fahren, um mir das 2. Konzert der Tour anzusehen. Das 1. war das Aufwärmen in Anröchte, das ich ziemlich gut fand. Damals: Kleine volle Halle, generationenübergreifendes Publikum und interessante Setliste. Diesmal: Größere, nicht so volle Halle. Das ganz junge Publikum fehlte. Die Setliste leicht verändert zum ersten Teil der Tour - aber auch deshalb interessant.
Nahezu pünktlich ging es los, mit der schönen Idee des neuen Intros und "Hühr zo, Pandora". Scheint mir an der Stelle geeigneter als "Wat für e´ Booch". Das wirkt später besser, wenn der perfekte Bühnensound gefunden ist. Obwohl ich erstmals in 20 Jahren, in denen ich BAP-Konzerte besuche, von Beginn an vom Sound angetan war. In der Vergangenheit empfand ich die ersten Songs stets recht dünn und unausgewogen.
Seit „DaCapo“ gibt es auf jeder BAP-Platte ein paar Stücke, mit denen ich nicht so viel bis wenig anfangen kann - und tatsächlich verschwinden die auch meistens schnell wieder aus den Programmen. Von den „Sonx“, die ich nicht mag, ist aktuell keiner mehr dabei. Die Kandidaten der plugged-Pandora sind „Musik, die nit stührt“ und „Et ess, wie't ess“. Aber das ist natürlich Geschmacksache und wie alles, was ich hier schreibe subjektiv! „Songs sinn Dräume“ und „Diego Paz“ befinden sich zielstrebig auf dem Weg Dauerbrenner zu werden, so wie „Tanger“ und „Krahnebäume“, die als Werke der Neuzeit unverzichtbare Highlights wurden. Nach „Dräume“ folgt als erster Über-Klassiker „Nemm mich met“. Ich behaupte, es leidet eben doch darunter, dass es nicht mehr die „Adrenalin-Version“ der 80er ist und auch darunter, daß es durch den vorzeitigen Refrain verstümmelt wurde. Aber wenns der Band gefällt… „Sichel vum Mohnd“, ein schöner Farbtupfer durch ein seltener gehörtes Lied. Seltsame Stille in der Halle während der langen Ansagen zum tollen „Diego Paz“ und zu „Noh Gulu“. Vereinzelte Unmutsäußerungen hinter mir. Man will sich nicht die Stimmung ruinieren lassen. „Das gehört dazu“, klärt jemand die Ungeduldigen auf. Danach der erste Block mit der wunderbaren Anne de Wolff, incl. einer überragenden Version vom „Bahnhofskino“. Ich hoffe, dass die Nummer nun endlich auf ewig ihren festen Platz im Programm gefunden hat. Bin erstaunt, wie beliebt „Aff un zo“ inzwischen ist. Erinnere mich, dass die Zuneigung beim Erscheinen unter den Fans nicht ungeteilt war. „Für ´ne Moment“ sorgt in dieser Solo-Version, mit Chorgesang der ganzen Band zum Schluß, mindestens für Gänsehaut, wenn nicht sogar für feuchte Augen. Danach „Wat usser Rock´n Roll“, einer meiner Favoriten, textlich – aber auch musikalisch. Beachtlich, was diese Besetzung daraus gemacht hat. Als 2. „Hocker-Nummer“ folgt „Prädestiniert“. Sehr schön, hat es aber nach den beiden vorhergehenden Höhepunkten unverdient schwer. „Ne schöne Jrooß“, das unter Ähnlichem zu leiden hat, wie „Nemm mich met“, ist an diesem Abend aus dem Programm verschwunden. Stattdessen „Frau ich freu mich“. In diesem Fall finde ich es gut, dass die Band die neue Version so hartnäckig durchzieht. Und auch „Kristallnaach“ hat mich live noch nie so mitgerissen, wie an diesem Abend in Wuppertal. Die Restaurationen (auch schon in den 90ern) hatten mich bisher nicht so sehr überzeugt. Aber seit das bedrohlich wummernde Keyboard – zumindest ab der 2. Strophe – zurück ist, hat es wieder mehr von dem, was das Original so außergewöhnlich macht. Was für ein großartiges Finale, gefolgt von der Sensation dieser Tour - und ich habs immer gesagt, nur hat mir nie jemand zugehört - „Rääts un Links vum Bahndamm“. Zwei Jahrzehnte unterschätzt und vernachlässigt und nun geradezu explodiert. Hätte noch ein paar Vorschläge mit fast vergessenen Stücken zu machen...
Nach 2 Stunden beginnt der zweite Teil des Abends so, wie im ersten Teil der Tour die Konzerte. Wie schon erwähnt, profitiert "Wat für e´ Booch" davon. „Ruut, wiess, blau“ anstatt „Ens em Vertraue“. Ich könnte beide und noch mehr dieser Machart vertragen. Bei „Do kanns zaubre“ gabs auch wieder vereinzelt Wunderkerzen und Feuerzeuge, nicht nur Mobiltelefone. Allerdings hab ich hier den Eindruck, dass zumindest Teile der Band lieber die neue Version spielen würden. Bei manchen Sachen funktionieren die neuen Versionen wunderbar und bereichernd, bei anderen eben nicht. „Alexandra“ (was nicht gespielt wurde) möchte ich z.B. zwingend in der „Salzjebäck“-Version hören.
Die Rory-Gallagher-Hommage „Millione Meile“ hat sich seit Anröchte noch mal weiter entwickelt und ich kann mir vorstellen, daß sich so manche/r dadurch nun auch mal mit dem Werk des verstorbenen Gitarristen beschäftigt.
Bei „Vedamp lang her“ wechselte Herr Krumminga nach dem ersten Refrain wieder in das legendäre „Major-tak-tak-tak“. Kam mir vor, als sei er dabei etwas aus der Spur geraten, was die allgemeine Erheiterung auf der Bühne erklären könnte. Zum Abschluss „Für immer jung“. Hätte als Ausklang lieber noch etwas aus dem BAPeigenen Katalog gehört. Noch nicht erwähnt habe ich die sehenswerten und liebevoll zusammengestellten Hintergrund-Projektionen, was nichts damit zu tun hat, dass ich die nicht zu schätzen weiss (im Gegenteil!), sondern damit, daß ich sie an meinem Standort nicht vollständig einsehen konnte.
Werde auch zukünftig spontan BAP-Konzerte besuchen!!!