Fan-Tourtagebuch

 

14. April 2026    -    Konstanz
Konzil

Wolfgang Niedecken erhält die "Georg Elser Auszeichnung"

 

Fotos von Thomas Lochmann

 

Fotos von Nicole Rabanser

 

Bericht von Benedikt Brüne

Als zweiter Preisträger nach der ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat Wolfgang Niedecken am Dienstag die Georg Elser Auszeichnung der Crescere Stiftung Bodensee erhalten. Es war ein besonderer Abend im Konzilgebäude am Konstanzer Hafen.

Da ist zunächst einmal der Widerstandskämpfer Georg Elser zu nennen, dessen Mut und Zivilcourage die Stiftungsvorstände Wolfgang Münst und Stephan Tögel ebenso wie der Laudator des Abends, Grünen-Politiker Cem Özdemir, den Gästen in Erinnerung riefen. Elser hatte 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler geplant. Es scheiterte nur knapp. Auf der Flucht in die Schweiz wurde er in Konstanz kurz vor der Grenze festgenommen und später, am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau von den Nazis ermordet – wenige Tage, bevor das KZ am 29. April von Soldaten der US Army befreit wurde.

Der Zeitgeist habe damals gegen Elser gestanden, sagte Özdemir, und er habe alleine, ohne den Rückhalt einer Organisation gehandelt. Es gab wenige Momente an diesem Abend, die eine so eindringliche Stille im Saal hervorriefen wie die Worte von Özdemir.

Ihm sei es eiskalt den Rücken runter gelaufen, sagte Niedecken, als er erfuhr, dass er eine nach Georg Elser benannte Auszeichnung erhalten würde. „Ich kann mich mit ihm überhaupt nicht vergleichen“, sagte er. Er habe nie fürchten müssen, verhaftet zu werden oder ins KZ gesteckt zu werden.

Dennoch: „Du hast das Land besser gemacht und tust es immer noch“, sagte Özdemir. Die Arsch huh-Konzerte gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit in Köln Anfang der 1990er-Jahre hätten damals auch ihm Mut gemacht. Und dass er in Bezug auf BAP-Songs durchaus textfest ist, zeigten seine scherzhaften Bemerkungen zu den aktuellen Sondierungsverhandlungen mit der CDU („Helfe kann Dir keiner“) und der Vergleich mit Schwoisfuaß, der „schwäbischen Antwort auf BAP“. Sein Fazit: „Man kann mit Kölsch besser bundesweit singen als mit Schwäbisch.“

Zivilcourage und ehrenamtliches Engagement für Demokratie und gegen Rassismus: Diesem Anliegen hat sich die Cresere Stiftung mit der Georg Elser Auszeichnung verschrieben. Er besteht aus der Bronzeskulptur „Wandel“ von Hans Thomann und einer Geldspende, die in diesem Jahr an das Projekt „Au secours“ für Menschen im Ostkongo der Deutschen Welthungerhilfe geht. Passend zu diesem Thema nahm Wolfgang Niedecken in sein sieben Lieder umfassendes Minirepertoire „Noh Gulu“ auf – den Song, der er 2008 über das Schicksal afrikanischer Kindersoldaten geschrieben hatte.

Er würde gern wieder kommen nach Konstanz, um dann aber über die gewohnte Distanz von drei Stunden zu gehen, sagte er. Gemeinsam mit dem großartigen Mike Herting am Piano (ein Traum, seiner Klaviermusik zu lauschen) spielte er neben „Noh Gulu“ noch „Für ne Moment“, „Chippendale Desch“, „Absurdistan“, „Arsch huh – Zäng ussenander“, „Verdamp lang her“ und „Jraaduss“ – und damit einen schönen Auszug aus dem „Zwesche Start und Ziel“-Programm.

Mut machen, das bestehe nicht nur aus Gesten, sagte Wolfgang Münst, sondern darin, sich als Person einzubringen. „Wir haben die Freiheit der Debatte“, sagte Cem Özdemir. „Damit können wir alle das Land besser machen, gerne mit der Gitarre in der Hand.“ Wie das gehen kann, davon konnten die Gäste an diesem Abend einiges mitnehmen.