|
Bericht von
Benedikt Brüne
Als zweiter
Preisträger nach der ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat Wolfgang Niedecken am
Dienstag die Georg Elser Auszeichnung der Crescere Stiftung Bodensee erhalten.
Es war ein besonderer Abend im Konzilgebäude am Konstanzer Hafen.
Da ist zunächst einmal der Widerstandskämpfer Georg Elser zu nennen, dessen Mut
und Zivilcourage die Stiftungsvorstände Wolfgang Münst und Stephan Tögel ebenso
wie der Laudator des Abends, Grünen-Politiker Cem Özdemir, den Gästen in
Erinnerung riefen. Elser hatte 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein
Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler geplant. Es scheiterte nur knapp. Auf der
Flucht in die Schweiz wurde er in Konstanz kurz vor der Grenze festgenommen und
später, am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau von den Nazis ermordet –
wenige Tage, bevor das KZ am 29. April von Soldaten der US Army befreit wurde.
Der Zeitgeist habe damals gegen Elser gestanden, sagte Özdemir, und er habe
alleine, ohne den Rückhalt einer Organisation gehandelt. Es gab wenige Momente
an diesem Abend, die eine so eindringliche Stille im Saal hervorriefen wie die
Worte von Özdemir.
Ihm sei es eiskalt den Rücken runter gelaufen, sagte Niedecken, als er erfuhr,
dass er eine nach Georg Elser benannte Auszeichnung erhalten würde. „Ich kann
mich mit ihm überhaupt nicht vergleichen“, sagte er. Er habe nie fürchten
müssen, verhaftet zu werden oder ins KZ gesteckt zu werden.
Dennoch: „Du hast das Land besser gemacht und tust es immer noch“, sagte
Özdemir. Die Arsch huh-Konzerte gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit in Köln
Anfang der 1990er-Jahre hätten damals auch ihm Mut gemacht. Und dass er in Bezug
auf BAP-Songs durchaus textfest ist, zeigten seine scherzhaften Bemerkungen zu
den aktuellen Sondierungsverhandlungen mit der CDU („Helfe kann Dir keiner“) und
der Vergleich mit Schwoisfuaß, der „schwäbischen Antwort auf BAP“. Sein Fazit:
„Man kann mit Kölsch besser bundesweit singen als mit Schwäbisch.“
Zivilcourage und ehrenamtliches Engagement für Demokratie und gegen Rassismus:
Diesem Anliegen hat sich die Cresere Stiftung mit der Georg Elser Auszeichnung
verschrieben. Er besteht aus der Bronzeskulptur „Wandel“ von Hans Thomann und
einer Geldspende, die in diesem Jahr an das Projekt „Au secours“ für Menschen im
Ostkongo der Deutschen Welthungerhilfe geht. Passend zu diesem Thema nahm
Wolfgang Niedecken in sein sieben Lieder umfassendes Minirepertoire „Noh Gulu“
auf – den Song, der er 2008 über das Schicksal afrikanischer Kindersoldaten
geschrieben hatte.
Er würde gern wieder kommen nach Konstanz, um dann aber über die gewohnte
Distanz von drei Stunden zu gehen, sagte er. Gemeinsam mit dem großartigen Mike
Herting am Piano (ein Traum, seiner Klaviermusik zu lauschen) spielte er neben
„Noh Gulu“ noch „Für ne Moment“, „Chippendale Desch“, „Absurdistan“, „Arsch huh
– Zäng ussenander“, „Verdamp lang her“ und „Jraaduss“ – und damit einen schönen
Auszug aus dem „Zwesche Start und Ziel“-Programm.
Mut machen, das bestehe nicht nur aus Gesten, sagte Wolfgang Münst, sondern
darin, sich als Person einzubringen. „Wir haben die Freiheit der Debatte“, sagte
Cem Özdemir. „Damit können wir alle das Land besser machen, gerne mit der
Gitarre in der Hand.“ Wie das gehen kann, davon konnten die Gäste an diesem
Abend einiges mitnehmen.
|